Nach langer schwerer Krankheit ist am 9.12.2010
der russische Komponist Boris Iwanowitsch Tischtschenko verstorben.
Tischtschenko wurde 23.03.1939 in Leningrad geboren. Er studierte Komposition
(bei Galina Ustwolskaja) und Klavier von 1954 bis 1957 an der Leningrader
Musikfachschule danach bis 1963 am Leningrader Konservatorium. Von 1962
bis 1965 war er Student bei Schostakowitsch. Ab 1965 war Tischtschenko
selber Kompositionslehrer am Leningrader Konservatorium. 1986 wurde er
zum Professor ernannt. Neben seiner Lehrtätigkeit trat Tischtschenko
als Pianist auf und verfaßte musikwissenschaftliche Schriften, u.a.
über Schostakowitsch. 1978 wurde Tischtschenko der Glinka-Preis verliehen.
Der Katalog der Werke Tischtschenkos ist umfangreich und enthält
u.a. acht numerierte und vier nicht-numerierte Sinfonien, fünf Dante-Sinfonien
nach Dantes Göttlicher Komödie, neun Konzerte für Solo-Instrumente,
zwei Opern, zwei Ballette, sechs Streichquartette, ein Klavierquintett,
elf Klaviersonaten (die siebte mit Glocken) und ein Requiem für Sopran,
Tenor und Orchester nach Worten von Anna Achmatowa.
Tischtschenko war ein sehr origineller und eigenständiger Komponist.
Nachdem er in den 1960er Jahren als einer der ersten sowjetischen Komponisten
mit modernen Kompositionstechniken wie der Zwölftontechnik experimentiert
hatte, entwickelte er Anfang der 1970er Jahre einen Personalstil, der
von den Spätwerken Schostakowitschs ausgeht. Dessen Einfluß
zeigt sich vor allem in der Melodik, Rhythmik und Instrumentation. Tischtschenko
bevorzugte freie Formen und schrieb häufig monothematisch. Er blieb
der Tradition verpflichtet, weite Passagen seiner Werke sind tonal gehalten
und durch recht einfache, nicht selten sogar diatonische Themen gekennzeichnet.
Diesen Stellen stehen Abschnitte gegenüber, die moderne Stilmittel
wie extreme Dissonanzenanreicherung bis hin zur Clusterbildung verwenden.
Auffällig ist ein Hang zu kunstvoller Polyphonie. Manchmal zeigt
sich auch der Einfluß von sowjetischem Jazz oder russischer Folklore.
Einen besonderen Akzent legte Tischtschenko auf die Rhythmik, die an den
Kulminationspunkten oft wild und sehr dominant ist; teilweise setzte er
Polymetrik ein. Charakteristisch für seine Tonsprache sind außerdem
humoristische bis ironische Elemente. Tischtschenko bevorzugte großformatige,
sehr ausgedehnte Gattungen. Seine Orchesterwerke weisen häufig eine
große Besetzung auf, die aber meistens eher kammermusikalisch eingesetzt
wird. (Quelle: Wikipedia)
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